Geschichte und Ursprung des Dobermanns

Der Dobermann ist ein eleganter, großer und kräftiger Hund, der für Rasseliebhaber perfekt dem idealen Hundebild entspricht. Während der Dobermann ursprünglich ein klassischer Gebrauchshund ist und eine lange Geschichte als Wachhund und Diensthund hat, wird er inzwischen auch oft als reiner Familienhund gehalten. Er vereint Mut und Härte mit Sensibilität und Arbeitswillen. Diese Eigenschaften erklären sich durch die bis ins 19. Jahrhunderte zurückreichende Geschichte des Dobermanns. Hier finden Dobermann-Besitzer oder Interessenten für einen Welpen alles über die Entstehung und Geschichte der Rasse Dobermann.

Entstehung der Rasse Dobermann

Während man bei einigen Rassen nur mutmaßen kann, wie genau sie entstanden sind, ist die Entstehung der Rasse Dobermann relativ gut belegt. Eine gezielte Kreuzung von Hunden mit bestimmten, erwünschten Wach- und Schutzeigenschaften führte zu dem starken, schlanken und muskulösen Dobermann, den wir heute kennen.

Der Dobermann trägt seinen Züchter im Namen

Der erste Züchter der Rasse war der namensgebende Friedrich Louis Dobermann (geb. 1834, verstorben 1894). Herr Dobermann arbeitete im 19. Jahrhundert als Steuereintreiber und nebenher auch als Hundefänger. Friedrich Dobermann wählte aus diesen Hunden einige aus, die besonders “scharf” und wachsam waren, sich zugleich aber auch gut vom Menschen führen ließen.

Diese Hunde paarte er mit seiner Lieblingshündin “Schnuppe” und kreuzte nach und nach weitere Hunde mit ein. Darunter Thüringische Schäferhunde (schwarz mit roten Abzeichen) und die damals bekannten “Metzgerhunde”, die als Vorfahren des Rottweilers gelten und dem heutigen Rottweiler optisch schon relativ nahekamen. Mehr dazu lässt sich bei der Geschichte des Rottweilers nachlesen. Außerdem gehören auch Pinscher- und Weimaraner-ähnliche Jagdhundmischlinge sowie ein Greyhound (für die schlankere Linie) zu den Vorfahren des heutigen Dobermanns. Das Ziel des Züchters waren gute Wachhunde, die mutig Haus und Hof beschützten.

Entstehung der heute bekannten Rasse “Dobermann”

Nach Dobermanns Tod führte Otto Göller die Zucht mit Dobermanns Tieren fort. Der Dobermann wurde innerhalb kurzer Zeit immer bekannter und wurde als Wachhund, Jagdhund für Raubwild, Hütehund und Polizeihund eingesetzt. 1899 wurde in Apolda, der Heimatstadt Friedrich Dobermanns in Thüringen, der Dobermann-Pinscher-Klub Apolda gegründet. Dieser ist der erste Rassezuchtverein für den Dobermann und existiert auch heute noch als Dobermann Verein e.V.1. Der internationale Zuchtverband FCI erkannte die Rasse Dobermann bereits 1955 auf. Zunächst wurde der Dobermann nach einem Zuchtstandard gezüchtet, der kupierte Ohren und eine kupierte Rute beinhaltet. Das hat sich inzwischen jedoch geändert, mehr dazu weiter unten.

Ursprüngliche Verwendung und Aufgaben des Dobermanns

Der Dobermann zählt zu den Gebrauchshunden. Das sind Arbeitshunde, die zu einem ganz bestimmten Zweck gezüchtet und eingesetzt werden. Im engeren Sinne versteht man unter den Gebrauchshunden Hunde, die eine Gebrauchshundeprüfung (bestehend aus Fährtentraining, Unterordnung und Schutzdienst) absolviert haben.

Der Dobermann als “Gendarmenhund”, Militärhund und Kriegshund

Seine Eigenschaften wie Wachsamkeit, Schutztrieb, Härte, Sportlichkeit und große Körpergröße prädestinierten den Dobermann als Polizeihund. Da Polizisten damals als Gendarmen bezeichnet wurde, kannten viele den Dobermann als den “Gendarmenhund”.2 Der Dobermann wurde leider in beiden Weltkriegen als Kriegshund eingesetzt, was viele der mutigen Hunde das Leben kostete. Die Hunde lernten, in der Nähe befindliche Feinde zu melden, Minen aufzuspüren und vermisste Soldaten und Zivilisten zu finden. Bekannt wurde unter anderem der amerikanische Dobermann Kurt. 1944 wurde er zum Auskundschaften auf der Pazifikinsel Guam vorangeschickt. Er entdeckte rechtzeitig japanische, feindliche Soldaten und rettete so vielen alliierten Soldaten das Leben. Leider starb er jedoch selbst durch eine Granate. Das Grab des Dobermanns Kurt mit einem lebensgroßen Dobermann-Denkmal findet man immer noch auf der Insel Guam. Weitere 24 Namen von Hunden sind dort aufgelistet, gemeinsam mit der Inschrift “always faithful” (englisch: immer treu), angelehnt an das Motto der Marines “semper fidelis” (lateinisch: immer treu).

Heutige Verwendung des Dobermanns

Die Verwendung als Polizeihund lässt sich ab dem Ende des 19. Jahrhunderts belegen und dauert bis heute an, auch wenn die verschiedenen Arten des Schäferhunds den Dobermann als beliebtesten Polizeihund bald ablösten. Auch heute noch gehört der Dobermann zu den offiziell anerkannten Diensthundrassen der deutschen Polizei und der Bundeswehr. Das sind aktuell sechs Rassen: Der Dobermann, der Rottweiler, Deutscher Schäferhund, Malinois, Riesenschnauzer und Airedaleterrier.3 Immer öfter wird der Dobermann heute aber auch als reiner Familienhund oder Sporthund gehalten. Als Hundesport liegt ihm, seinen Anlagen gemäß, der Schutzdienst sehr gut. Mehr dazu bei den geeigneten Beschäftigungsmöglichkeiten für den Dobermann.

Kupieren ist heute verboten

Zur Geschichte des Dobermanns gehört auch die optische Wandlung, die die Rasse durchlaufen hat. Früher gehörten eine kupierte, kurze Rute sowie Stehohren, die nur durch Kupieren (beschneiden und in Form kleben) der Ohren zustande kommen, zum optischen Standard. In vielen europäischen Ländern gilt jedoch inzwischen ein Kupierverbot. Ohren oder Schwanz dürfen nur noch aus medizinischen Gründen kupiert werden. In Deutschland ist das Kupieren der Ohren seit 1986, das Kupieren der Rute seit 1998 verboten. Für viele Züchter war das ein Schock, denn kupierte Dobermänner durften auch nicht mehr auf Ausstellungen präsentiert werden. Es gab Züchter, die daraufhin die Zucht aufgaben. Andere fanden Wege, die Hunde weiterhin zu kupieren, zum Beispiel durch eine Verlegung der Zucht ins Ausland. Die Rasse gewann aber auch viele neue Liebhaber und Züchter hinzu, denen der natürliche, weniger bedrohliche Look des “neuen” Dobermanns besser gefiel. Das machte den Dobermann für viele Menschen auch als Familienhund interessanter. Mehr dazu unter “Für wen eignet sich ein Dobermann” und Training und Erziehung des Dobermanns”.

Ein in Deutschland geborener Dobermann bleibt seitdem “naturbelassen”, mit einer langen Rute und hängenden Ohren. Diese Tatsache übernahm schließlich auch die FCI in ihren Rassestandard4. Seit 2015 wird der Dobermann dort ausschließlich unkupiert zugelassen und beschrieben. Noch eine weitere Änderung gab es mit dieser Aktualisierung des Standards: Seitdem gehört neben dem schwarzen auch der braune Dobermann zu den offiziell zugelassenen Varietäten.

Quellen

  1. Verband für das Deutsche Hundwesen (VDH): Rassebeschreibung Dobermann (Link zur Webseite)
  2. Dobermann Verein e.V.: Der Dobermann (Link zur Webseite)
  3. Polizei Sachsen: Die Diensthundrassen. (abgerufen 11/2020)
  4. FCI-Standard für den Dobermann (Link zur Webseite)

Bildquellen

Illustrationen: Stefan Große Halbuer

Animal Dog © Depositphotos.com/Drago_Nika

Dog breed Doberman on a morning walk on a summer day © Depositphotos.com/galkin57