Für wen eignet sich ein Rottweiler?

Der Rottweiler hat viele Fans. Kein Wunder, denn mit den richtigen Menschen an seiner Seite und der passenden Erziehung und Auslastung ist der Rotweiler ein freundlicher, ruhiger, anhänglicher, gehorsamer und gelassener Begleiter. Doch der große, kräftige Gebrauchshund eignet sich nicht für Jeden. Unsicherheit und Inkonsequenz vermitteln ihm das Gefühl, selbst Entscheidungen treffen zu müssen – bei einem Hund mit Wachtrieb, Schutztrieb und gefährlichem Aussehen eine denkbar schlechte Kombination.

Hier erfahren Rottweiler-Halter oder Interessenten für einen Rottweilerwelpen, unter welchen Voraussetzungen der Rottweiler der passende Hund ist. Anhand der Checkliste lässt sich schnell und einfach abklären, wer sich für den Rotti eignet – und wer eher nicht.

Ein Hund für selbstbewusste, konsequente Menschen

Der Rottweiler ist groß, kräftig und wird von vielen Menschen als respekt- oder sogar furchteinflößend angesehen. Das verführt manchmal ängstliche Menschen dazu, dass sie den Rottweiler zu ihrem Schutz haben möchten. Es spricht nichts dagegen, wenn bewusst ein Wachhund gewünscht ist, der Eindringlinge meldet und bereits optisch abschreckt. Wer allerdings im Alltag mit dem Hund unterwegs ist und ihn als beschützenden Begleiter dabeihaben möchte, der verrechnet sich hier oft. Denn wenn der Rotti seinen Besitzer als unsicher, hilfebedürftig oder ängstlich erlebt, übernimmt er selbst die Entscheidung, dass (und wann) er ihn oder sie schützen soll. Das kann zu Problemverhalten bis hin zu Beißvorfällen führen.

Der Rottweiler braucht selbstbewusste Besitzer. Ruhige Führung, klare Regeln und Konsequenz geben dem Hund von Anfang an einen sicheren und entspannten Rahmen vor, in dem er sich bewegen kann und darf.

Ein respekteinflößender Hund mit schlechtem Image

Wer sich ausführlich mit Wesen, Charakter und Eigenschaften des Rottweilers beschäftigt hat, weiß um die Wirkung, die ein Rotti auf andere Menschen haben kann. Wer einen Rottweiler als langjährigen Begleiter halten möchte, sollte deshalb einige Dinge beachten.

Das sollten Rottweiler-Halter wissen und können:

  • Rotti-Halter sollten damit umgehen können, dass manchen Menschen mit Skepsis, Angst oder sogar deutlicher Ablehnung auf die Rasse reagieren.
  • Um dem schlechten Ruf des Rottweilers entgegenzuwirken, sollte man bereit sein, seinen Hund besonders rücksichtsvoll zu führen. Erfahrungsgemäß reagieren viele Personen bei einem Rottweiler sehr viel empfindlicher als bei “niedlicheren” Rassen darauf, wenn er ohne Leine läuft oder fremden Menschen zu nahe kommt.
  • Der Rottweiler ist eine alte, deutsche Rasse und wird hierzulande seit jeher als Wachhund und Schutzhund Heutzutage leben wir aber viel dichter zusammen als früher, mit mehr Menschen, mehr Hunden und mehr Gesetzen. Wenn jemand einen Rottweiler möchte, um Eindruck zu machen und deshalb möglicherweise schützendes oder aggressives Verhalten sogar noch fördert: Das kann andere Menschen gefährden und ist auch für den Hund selbst gefährlich. Denn als Folge eines Vorfalls sind in der Regel nicht nur die Geschädigten, sondern auch die Hunde die Leidtragenden.

Wer das alles weiß und sich davon nicht abschrecken lässt, der ist bereit für diese tolle, starke und wunderschöne Hunderasse.

Der Rottweiler braucht Beschäftigung, Bewegung und eine Aufgabe

Der Rottweiler wirkt auf manche Menschen eher gemütlich. Das ist er im Alltag auch – wenn er genug ausgelastet wird. Im Artikel über die geeigneten Beschäftigungsmöglichkeiten für den Rottweiler gibt es viele Tipps und Hinweise zur idealen Auslastung für Rottis.

Zukünftige Besitzer eines Rottweilers sollten sich darüber im Klaren sein, dass ein Rottweiler ganz und gar kein langweiliger Couch-Potato ist. Die Hunde lernen schnell, möchten beschäftigt werden und machen fast alles mit ihrem Besitzer mit. Während manche Rottis mit Spaziergängen und etwas Nasenarbeit ausgelastet sind, merkt man anderen Exemplaren deutlich an, dass sie ohne Hundesport nicht glücklich sind. Auch wenn man über die Züchterwahl einen gewissen Einfluss auf das Aktivitätslevel des Hundes hat: Innerhalb eines Wurfes können die Welpen dennoch sehr unterschiedlich sein. Wer Hundesport (zum Beispiel Schutzhundesport) nicht kategorisch ausschließt und sich flexibel auf die Ansprüche seines Hundes einlässt, der kann sich recht sicher sein, dass der Rotti perfekt zu ihm passt.

Ist der Rottweiler als Ersthund für Anfänger geeignet?

Generell eignet sich ein Rottweiler am besten für Menschen, die bereits Erfahrung mit der Hundehaltung haben. Idealerweise bereits mit Gebrauchshunden oder mit selbstbewussten Rassen, die im Falle eines Konfliktes eher nach vorne gehen, als zu deeskalieren. Allerdings: Wo soll die Erfahrung mit einem solchen Hundetyp herkommen? Immerhin hat jeder einmal angefangen. Und einmal ist immer das erste Mal. Oft kommen auch Anfänger sehr gut mit einem Rottweiler zurecht. Dann sollten jedoch einige Punkte beachtet werden.

Folgende Tipps sollten Ersthundehalter oder Neulinge in der Haltung von Gebrauchshunden beachten:

  • Vorab sollte man möglichst viele Rottweiler kennenlernen. Dazu kann man Züchter besuchen, aber auch in Foren oder Facebook-Gruppen Kontakte zu Rotti-Halter in seiner Gegend aufbauen. So lernt man die Hunde sehr viel besser kennen als in Beschreibungen.
  • Man sollte bereit sein, Zuchtlinien zu vergleichen: Dazu gehört, mit verschiedenen Züchtern zu sprechen, sich über verschiedene Rottweiler-Typen zu informieren und den passenden Züchter umsichtig auszuwählen. So findet man den Hund, der perfekt in die eigene Familie passt.
  • Man sollte seine Motive hinterfragen: Möchte man den Rottweiler wirklich, weil sein Wesen und seine Eigenschaften gefallen? Gefällt einem der Rotti nur wegen seines sportlichen oder gefährlichen Aussehens oder weil man andere beeindrucken möchte, ist das die falsche Motivation. Dann sollte man das Wesen der Rottweiler erst einmal genauer kennenlernen, bevor man sich endgültig entscheidet.
  • Kann man den Hund körperlich halten? Das klingt vielleicht trivial. Doch ein Rottweiler-Rüde kann weit über 50 kg wiegen. Für eine zierliche Person, die selbst nicht viel mehr wiegt, ist das kaum zu bändigen. Vor allem in der Junghund-Zeit, wenn der junge Wilde schon fast ausgewachsen ist, aber noch viele Flausen im Kopf hat. Hündinnen aus weniger massigen Zuchtlinien sind um einiges leichter. Hier gibt es einige Hunde, die nur um die 35 kg wiegen.
  • Rottweiler sind leicht erziehbar und leicht führbar. Wenn man weiß, wie! Für Anfänger kann es sehr hilfreich sein, einen Trainer, einen Hundeverein oder den Züchter mit ins Boot zu holen, wenn es Fragen oder Probleme bei der Erziehung gibt.

Beherzigen Ersthundehalter diese Tipps, kann ein Rottweiler durchaus auch bei einem Anfänger einziehen. Den wer sich in diese wunderschöne Rasse verliebt hat, und sich absolut keinen anderen Hund vorstellen kann, der wird auch nur mit einem Rottweiler glücklich werden.

Ist der Rottweiler ein guter Familienhund?

Die Rassebeschreibung des Rottweilers ist vielsagend: Der VDH1 bezeichnet den Rottweiler als ausgeglichen und ruhig. Auch seine Vorliebe für Familienanschluss und enge Sozialkontakte wird betont. Auch der ADRK2 bezeichnet den Rottweiler als freundlich, friedlich, anhänglich und gelassen. Das klingt nach einem idealen Familienhund. Und tatsächlich ist der Rottweiler seiner Familie treu ergeben, nachsichtig und geht gelassen mit Kindern um. Allerdings sollte man dabei einige Punkte beachten.

Das sollte man beachten, wenn man einen Rottweiler als Familienhund halten möchte:

  • Man sollte an das Größenverhältnis Rottweiler sind muskulös, schwer und kräftig. Gerade als Junghunde sind sie zudem oft auch recht stürmisch. Da kann schnell einmal unabsichtlich ein Kind umgeschubst werden. Wichtig ist hier eine gute Erziehung – beim Hund, aber natürlich genauso beim Kind.
  • Der Rottweiler hat Wach- und Schutztrieb. Das bedeutet, dass Fremde oft nicht erwünscht sind. Über die Erziehung lässt sich hier viel beeinflussen, doch es gibt keine Garantie, dass der Rotti Besucher grundsätzlich mag. Hier sollte man bereit sein, den Hund entsprechend zu erziehen (oder einfach in einen anderen Raum zu bringen), wenn er aggressiv oder drohend auf Besucher reagiert oder wenn Besucher oder deren Kinder Angst haben.
  • Fremde Kinder sind nicht die eigenen! Während der Rottweiler mit “seinen” Kindern oft extrem geduldig, gelassen und freundlich umgeht, kann das bei fremden Kindern anders aussehen. Vor allem dann, wenn der Rotti ein zu wildes Fang- oder Raufspiel als Bedrohung für seine Rudelmitglieder auffasst. Hier muss man immer ein sehr genaues Auge auf den Hund haben.

Mit einer umsichtigen Erziehung ist der Rottweiler allerdings ein Traumhund in der Familie. Er ist niemals hektisch oder nervös. Während andere Rassen (zum Beispiel viele Hütehunde) dazu neigen, auf schnelle Bewegungen stark zu reagieren oder von Lärm schnell gestresst sind, ist der Rottweiler stets die Ruhe selbst, auch im größten Trubel. Seine Nervenstärke und die hohe Reizschwelle machen den Rottweiler zu einem geduldigen Spielgefährten, Freund und Begleiter für Kinder in jedem Lebensalter.

Verträglichkeit mit anderen Hunden

Ob der Rottweiler sich für einen Menschen eignet oder nicht, hängt auch davon ab, ob die Verträglichkeit mit anderen Hunden im Alltag eine wichtige Rolle spielt. Wird ein Rottweiler erwachsen, kann es vorkommen, dass er andere Hunde nicht mehr um sich herum braucht. Wie er dann reagiert, hängt von der Erziehung ab. Manch ein Rottweiler interessiert sich wenig für andere Hunde oder reagiert abweisend, wenn andere Hunde auf ihn zukommen. Einige Rüden sind mit zunehmendem Alter nicht mehr mit allen anderen Rüden verträglich (auch bei Hündinnen kann aber vorkommen, dass sie andere Hündinnen nicht mögen).  Zudem sind Rottweiler oft territorial und können dann vor allem in der Nähe des eigenen Hauses aggressiver auf andere Hunde reagieren.

Wer also gerne mit seinem zukünftigen Hund auf Hundewiesen oder Hunde-Freilaufflächen spazierengehen möchte, wo alle Hunde freilaufen und miteinander spielen, der ist mit dem Rottweiler eher falsch beraten. Zum einen mögen viele Rottweiler das einfach nicht. Zum anderen sind dort aber oft auch sehr viel kleinere, zartere, unsichere Hunde, für die der Rotti (vor allem im jugendlichen Alter) zu grobmotorisch und stürmisch ist. Dabei sollte man auch wissen, dass ganz normale Hunde-Kommunikation wie Knurren oder Abschnappen bei einem Rottweiler von anderen Hundehaltern oft viel kritischer gesehen wird, als beim Dackel, Labrador oder Havaneser. Dazu trägt nicht nur die Größe, sondern auch das Image des Rottweilers bei.

Das alles gilt aber nur für fremde Hunde. Regelmäßige Gassigänge mit bekannten Hunden schätzen Rottweiler sehr. Auch die Haltung mehrere Hunde ist kein Problem. Hier ist der Rotti sozial, freundlich und liebt seine Hundegefährten. Wie es sich für einen echten Wachhund gehört, weiß er genau, wer dazugehört – und wer nicht.

Checkliste: Für wen eignet sich ein Rottweiler?

Der Rottweiler eignet sich unter folgenden Voraussetzungen:

  • Man ist ein selbstbewusster und gelassener Mensch und sucht einen ebensolchen Hund.
  • Man ist dem Rottweiler körperlich und mental gewachsen.
  • Man erzieht seinen Hund mit Ruhe und Klarheit, gibt Regeln vor und sorgt sehr konsequent für deren Einhaltung.
  • Man hat Spaß an Hundesport oder sonstiger Auslastung für den Hund.
  • Man hat Erfahrung mit Gebrauchshunden oder ist bereit, sich schon im Vorfeld ausführlich mit den Besonderheiten solcher Hunderassen zu beschäftigen.
  • Vor dem Welpenkauf vergleicht man verschiedene Züchter und deren Hunde, um den genau passenden Rottweiler zu finden. Bei dieser Rasse sind die individuellen Unterschiede groß.
  • Man ist bereit, den Hund entsprechend zu sichern, zu führen und zu trainieren, falls der Rottweiler einen ausgeprägten Schutztrieb zeigt.
  • Man kann damit leben, wenn andere Menschen Angst vor dem Rottweiler haben oder ihn als “Kampfhund” bezeichnen.
  • Man ist bereit dazu, seinen Hund besonders umsichtig zu führen und ihn gut zu erziehen, um dem leider oft schlechten Image der Rasse entgegenzuwirken.

Der Rottweiler eignet sich nicht, wenn folgende Punkte zutreffen.

  • Man ist ein ängstlicher Mensch und sucht deshalb einen starken Beschützer.
  • Man möchte den Rottweiler nur deshalb, weil er gefährlich aussieht und Eindruck macht.
  • Man möchte auf jeden Fall regelmäßig in Freilaufgebiete und auf Hundewiesen gehen, wo der Hund mit anderen Hunden spielen soll.

Quellen

  1. VDH: Beschreibung des Rottweilers
  2. Allgemeiner Deutscher Rottweiler-Klub (ADRK) e.V.: Link zur Webseite

Bildquellen

Illustrationen: Stefan Große Halbuer

Portrait of Rottweiler dog © Depositphotos.com/art_man

Beautiful happy family is having fun with Rottweiler dog. Blonde adorable mother and daughter embracing their dog. © Depositphotos.com/maximilian100

Malinois and rottweiler © Depositphotos.com/cynoclub