Die Gesundheit des Hundes: Tipps für Hundebesitzer und Welpenkäufer

Ein gesunder Hund – das wünscht sich jeder Hundebesitzer. Beste Voraussetzungen für die Gesundheit schaffen eine optimale Grundversorgung und Gesundheitsvorsorge sowie das frühe Erkennen von Symptomen.

Ein Hund ist ein Familienmitglied. Kaum etwas ist für Hundebesitzer so belastend, wie das eigene Tier leiden zu sehen. Dementsprechend ist die Gesundheit des Hundes eines der wichtigsten Dinge für jeden Hundehalter. Um Krankheiten früh zu erkennen oder durch Vorsorge zu verhindern, sollte jedes Frauchen und jedes Herrchen einige grundlegend Kenntnisse über die Hunde-Gesundheit haben. Folgende Informationen und Tipps können dabei weiterhelfen.

Die Basis für die Gesundheit: Ernährung, Bewegung und Sicherheitsvorkehrungen

Gesundheitsvorsorge fängt schon ab dem ersten Tag an, an dem ein Hund einzieht. Zuerst zählt dazu, für Sicherheit zu sorgen und Verletzungsgefahren auszuschließen. Außerdem sorgen eine gute Ernährung und ein Blick auf das Körpergewicht für Gesundheit. Auch eine an das Tier, sein Alter und seine Bedürfnisse angepasste Mischung aus Bewegung und Ruhezeiten gehört zur Gesundheitsvorsorge.

Sicherheit für den Hund

Bevor der Hund einzieht, lohnt sich ein Blick auf Wohnung und (wenn vorhanden) auch den Garten. Vor allem Welpen knabbern gerne oder können auch einmal an Dingen im Regal oder an den Blättern von Zimmerpflanzen ziehen. Vor dem Einzug eines Welpen kann die folgende Checkliste helfen, um Gefahren zu erkennen und Unfälle vorzubeugen. Sollte doch einmal etwas passieren, kann es hilfreich sein, sich mit dem Thema Erste Hilfe für Hunde auszukennen. Dafür bieten lokale Hundeschulen oft Seminare an. Man findet aber auch viele hilfreiche Informationen online in Videos.

Checkliste: Diese Dinge können für Hunde und Hundewelpen zur Gefahr werden

  • Nicht eingezäuntes Grundstück
  • Zu niedriger oder lückenhafter Zaun
  • Schwere Gegenstände, die Hunde (Welpen) umwerfen oder herunterziehen können
  • Giftige Pflanzen im Garten oder Zimmer (vor allem bei Welpen, die gerne an verschiedenen Dingen knabbern)
  • Spitze Kanten, Draht, Scherben, Nägel oder ähnliches (zum Beispiel in Garten, Garage, Keller oder Dachboden)
  • Ungesicherte Kabel (vor allem bei Welpen)
  • Fehlende Sicherung beim Autofahren
  • Schlecht passendes Halsband oder Geschirr, aus dem der Hund sich herauswinden kann
  • Schlechte Sichtbarkeit des Hundes im Dunkeln (hier kann ein Leuchthalsband Abhilfe schaffen)
  • Giftige Lebensmittel (siehe unten)

Gesunde Ernährung und Körpergewicht des Hundes

Bei kaum einem Thema können sich Hundebesitzer so ereifern, wie bei der Ernährung des Hundes. Während die einen barfen, kochen andere für den Hund oder schwören auf spezielle Trocken- oder Nassfutter bestimmter Marken. Welche Fütterungsart man selbst für seinen Hund möchte, sollte man dabei ganz nach dem eigenen Ermessen entscheiden. Oft geben auch die Züchter bereits das gewohnte Futter für die ersten Lebenswochen mit. Im Prinzip sind dabei immer die folgenden zwei Dinge maßgeblich wichtig. 

  1. Die Menge und Zusammensetzung des Futters muss zum Hund passen. Der Hund soll sein Gewicht halten, also weder ab- noch zunehmen (außer das ist gewünscht). Die Zusammensetzung kann unterschiedlich gewählt werden, je nachdem, ob der Hund aktiv oder ruhig, alt oder jung ist oder ob er zu einer großen oder kleinen Rasse gehört.
  2. Der Hund soll das Futter gut vertragen. Auch eine sorgfältig ausgewählte, hochwertige Ernährung bringt nichts, wenn der Hund diese nicht verträgt. Zeichen dafür, dass der Hund ein Futter nicht so gut verträgt, sind zum Beispiel stumpfes, trockenes oder fettiges Fell, starker Körpergeruch, Schuppen, zu fester oder zu weicher Kot, übermäßig große Kotmengen (dann wird das Futter womöglich nicht vollständig verwertet), Magenschmerzen oder ständige Blähungen. Der Hund soll fit und aktiv wirken, glänzende Augen und schönes Fell haben und sich sichtlich wohl fühlen.

Zur Kontrolle des Körpergewichts sollte man den Hund regelmäßig wiegen. Beim erwachsenen Hund reicht es, hin und wieder das Gewicht zu kontrollieren (oder dann, wenn man das Gefühl hat, der Hund hätte ab- oder zugenommen). Bei Welpen empfiehlt sich anfangs wöchentliches Wiegen. 

Lebensmittel, die für Hunde giftig sind

Bei vielen Menschen landet im Hundenapf, was vom Essen übrig bleibt. Das ist auch völlig in Ordnung, solange man dabei beachtet, dass einige Lebensmittel für Hunde schädlich oder sogar hochgiftig sind. Bei diesen Lebensmitteln sollte man auch aufpassen, dass der Hund keine Möglichkeit hat, sie unbemerkt vom Tisch oder aus dem Regal zu holen. 

Diese Lebensmittel sind für Hunde schädlich oder giftig

Schokolade und KakaoKakao enthält Theobromin. Dieser Inhaltsstoff ist für Hunde giftig. Je dunkler und kakaohaltiger die Schokolade, desto größer die Gefahr für den Hund. 
Xylit (Birkenzucker)Xylit (oder Birkenzucker) ist ein Zuckeraustauschstoff. Da er zahnfreundlich (karieshemmend) ist und einen niedrigen glykämischen Index hat, kommt er heute immer öfter in zuckerfreiem Kaugummi und vielen kalorienreduzierten Lebensmitteln zum Einsatz. Hundebesitzer sollten bei solchen Produkten die Zutatenliste checken und sie gegebenenfalls hundesicher aufbewahren. Für Hunde ist Xylit selbst in kleinen Mengen hochgiftig!
Zwiebelgewächse(Zwiebel, Lauch, Knoblauch)Größere Mengen an Zwiebeln, Knoblauch und anderen Zwiebelgewächsen sind für Hunde schädlich. Die enthaltenen Sulfide können die roten Blutkörperchen angreifen und dadurch zu einer Blutarmut führen.
AlkoholHunde können Alkohol nur langsam abbauen und vertragen ihn deshalb äußerst schlecht. Größere Mengen können zu Atemnot und Krämpfen führen. Vorsicht: Vergorenes Fallobst enthält ebenfalls Alkohol.
Nachtschattengewächse (rohe Kartoffeln, Auberginen, Tomaten)Nachtschattengewächse enthalten das giftige Solanin. Dieses findet man unter anderem in rohen Kartoffeln und in Tomaten mit grünen Stellen. Gekochte Kartoffeln und überreife Tomaten können in Maßen gefüttert werden.
Rohe Hülsenfrüchte (Erbsen, Bohnen)Rohe Bohnen und andere rohe Hülsenfrüchte sind für Hunde (und auch Menschen) giftig, da sie Phasein enthalten. Gekochte Hülsenfrüchte sind für Hunde nicht schädlich. Sie reagieren darauf aber oft mit Blähungen.
Weintrauben und RosinenRosinen und Weintrauben sollten nicht an Hunde verfüttert werden. Vor allem größere Mengen davon sind für Hunde giftig und können zu verschlechterten Nierenwerten bis hin zu massiven Vergiftungserscheinungen führen.
Kerne von Steinobst (Kirschen, Aprikosen, Pflaumen)Kerne von Steinobst enthalten Blausäure. Gefährlich werden sie, wenn der Hund sie aufbeißt. Im Ganzen geschluckt kommen sie unverdaut wieder zum Vorschein.
AvocadoEinige Avocados (je nach Sorte, die man aber schlecht unterscheiden kann) enthalten das für Hunde giftige Persin. Diese Substanz kann den Herzmuskel der Hunde schädigen und dadurch zum Tod führen.
Macadamia-NüsseWährend die meisten anderen Nüsse für Hunde völlig ungiftig sind, muss man bei Macadamia-Nüssen aufpassen. Bei kleinen Hunden reichen wenige Nüsse, bei großen Hunde ungefähr eine Handvoll, um schwerste Vergiftungserscheinungen auszulösen.
Rohes SchweinefleischRohes Schweinefleisch kann den Aujeszky-Virus enthalten. Dieser ist für Menschen harmlos, für Hunde aber leider tödlich. Darum sollte Schweinefleisch nur gut durchgegart gefüttert werden.
Gegarte KnochenRohe Knochen (außer Schwein, siehe oben) dürfen Hunde fressen. Der Knochen sollte jedoch immer an Beißkraft und Hundegröße angepasst sein. Vorsicht gilt allerdings bei gebratenen oder gekochten Knochen. Sie werden spröde, splittern dadurch leicht und können Mundraum und Magen-Darm-System verletzen.

Gesundheit durch Entspannung, Bewegung, Spiel und Beschäftigung

Bewegung, Spiel, Beschäftigung, Training und Ruhe – es ist manchmal nicht einfach, das richtige Maß und eine gute Balance zu finden. Generell gilt: Weniger ist oft mehr. Gerade beim Welpen. Denn immerhin ruhen Hunde bis zu 20 Stunden am Tag.1 Auf einen turbulenten Tag mit vielen neuen Dingen darf (bzw. sollte sogar) ein Tag mit viel Ruhe folgen. Denn Erlebtes muss auch verarbeitet werden. Je nach Rasse sind einige Hunde von Welpe an schon tiefenentspannt und können fast überall schlafen. Andere wiederum müssen Ruhe erst lernen. Tipps zu einzelnen Hunderassen und deren speziellen Bedürfnissen gibt es in unseren Rasseratgebern.

Gesundheitsvorsorge und frühe Erkennung von Erkrankungen beim Hund

Um bestmöglich für die Gesundheit seines Hundes zu sorgen, muss man gesundheitliche Probleme möglichst früh erkennen. Oft fällt das leicht, denn man kennt ja schließlich sein Tier und bemerkt Veränderungen sofort. Allerdings sind manche Hunde eher wehleidig, andere wiederum Meister darin, Schmerzen lange zu verbergen. Regelmäßige Checks und die Kenntnis der wichtigsten Krankheitsanzeichen sind deshalb wichtig für jeden Hundebesitzer.

Regelmäßiger Check und Tierarzttraining

Ein regelmäßiger, wöchentlicher Check sollte für Hundebesitzer dazugehören. Dabei sollte man folgende Dinge überprüfen. Bei Auffälligkeiten kann dann der Tierarzt weiterhelfen.

  • In den Mund schauen: Sind Schwellungen, Blutungen oder Rötungen am Zahnfleisch vorhanden? Tritt vermehrt Zahnstein auf? Sind Zähne verfärbt oder gar locker? Ist irgendetwas anders als sonst? Hat der Hund starken Mundgeruch?
  • Ohren überprüfen: Sehen die Ohren innen rosig und gesund aus, so wie es sein sollte? Sind schwarze, bräunliche Ablagerungen oder rote Stellen vorhanden, die auf Pilzbefall, Milbenbefall oder Entzündungen hindeuten könnten?
  • Ballen, Krallen und Pfoten checken: Weitere Informationen zur Ballenpflege und zum Schneiden von Krallen gibt es in unserem Artikel über mit Tipps zur Pflege des Hundes. (Hier bitte den Artikel mit allgemeinen Pflegetipps verlinken)

Diese wöchentliche Routine ist auch ein gutes Tierarzttraining. Der Hund gewöhnt sich daran, dass an seinen Pfoten, Ohren und am Maul hantiert wird. Je nach Rasse und Charakter fällt das einigen Hunden schwerer, anderen leichter. Je problematischer es für den Hund ist, desto feinfühliger und langsamer sollte man ihn daran gewöhnen. Zum Tierarzttraining gehört außerdem, dass der Hund sich ohne Angst und Gegenwehr hochheben und auch auf die Seite legen lässt. Auch das sollte man deshalb üben. Auch wenn es beim Tierarzt dann oft nicht so gut klappt, wie daheim, ist es für den Hund weniger ungewohnt und damit weniger angsteinflößend. Die Technik für das seitliche Legen kann man sich bei einem Routinebesuch beim Tierarzt zeigen lassen. Je nach Hundegröße, Gewicht und Temperament gibt es dafür verschiedene Möglichkeiten.

Schmerzen und Beschwerden beim Hund erkennen

Manchmal werden beim Tierarzt Erkrankungen erkannt, die der Hund vermutlich schon über eine längere Zeit hatte. Besitzer stellen dann unter Umständen erst im Nachhinein fest, dass es kleiner Veränderungen gab, die man aber nicht mit Schmerzen oder Beschwerden in Verbindung gebracht hat. Die folgenden Verhaltensweisen können (müssen aber nicht!) Hinweise auf Schmerzen sein.

Hinweise auf Schmerzen beim Hund:

  • Hund wirkt ungewöhnlich schlapp und apathisch.
  • Hecheln, obwohl es dem Hund nicht warm ist.
  • Der Hund reagiert plötzlich aggressiv oder zeigt andere Verhaltensänderungen.
  • Starke Reaktion auf Berührung (Jaulen, Schnappen).
  • Humpeln.
  • Der Hund will nicht aufstehen oder keine längeren Strecken mehr laufen.
  • Der Hund hat Probleme beim Absetzen von Urin oder Kot (viel öfter, viel seltener, Hund jault dabei oder es dauert länger als sonst).

Hinweise auf Magen-Darm-Beschwerden oder Bauchschmerzen:

  • Der Hund hat Durchfall. Hier sollte man spätestens dann zum Arzt gehen, wenn der Durchfall stetig schlimmer wird, der Kot flüssig wie Wasser ist (Gefahr der Dehydrierung!) oder wenn der Durchfall mehr als zwei Tage andauert.
  • Ständiges Schmatzen deutet auf Magenschmerzen hin.
  • Exzessives Grasfressen kann mit Magenbeschwerden verbunden sein.
  • Speicheln deutet auf Übelkeit hin.
  • Husten kann ebenfalls bei Übelkeit auftreten.
  • Harter oder berührungsempfindlicher Bauch.

Weitere Hinweise auf Erkrankungen oder Beschwerden:

  • Der Hund hustet.
  • Unangenehmer Geruch aus dem Maul oder generell des ganzen Hundes.
  • Häufiges „Schlittenfahren“ (der Hund rutscht mit dem Hintern über den Boden).
  • Häufiges Kopfschütteln oder eine Schiefhaltung des Kopfes kann auf Ohrenbeschwerden hindeuten.

Impfungen, Entwurmung, Parasitenbekämpfung

Eine Impfung schützt den Hund vor gefährlichen Krankheiten. Wer sich unsicher ist, gegen welche Krankheiten der Hund geimpft sein sollte und wann die Schutzimpfung durchgeführt werden sollte, kann sich beim Tierarzt seines Vertrauens darüber informieren.

Eine Entwurmung beim Hund schützt nicht nur den Hund, sondern auch seine Besitzer. Denn einige Würmer werden auch auf den Menschen übertragen und können dort gesundheitliche Probleme verursachen. Wenn es um die Entwurmung beim Hund geht, gibt es zwei Möglichkeiten: Eine Möglichkeit ist die regelmäßige Wurmkur, zum Beispiel alle drei Monate. Eine andere, immer beliebter werdende Möglichkeit, ist eine Kotuntersuchung auf Wurmbefall. Der Hund wird dann nur entwurmt, wenn Würmer nachweisbar sind. Dieser Nachweis ist allerdings nicht hundertprozentig sicher, da nicht alle Wurmarten durchgehend im Kot nachweisbar sind. Wenn der Hund häufig an Tierkot riecht, ihn gar frisst oder Mäuse fängt und frisst, ist eine häufigere Entwurmung ratsam. Auch Welpen werden beim Züchter und in der Anfangszeit beim Besitzer häufiger entwurmt, da sie vermehrt zu Wurmbefall neigen.

Ein Schutz vor Zecken ist mit verschiedenen Mitteln und Maßnahmen möglich. Man kann nach jedem Spaziergang den Hund nach Zecken absuchen. Das ist je nach Fellfarbe, Felllänge und Hundegröße mehr oder weniger aufwändig und erfolgreich. Hausmittel wie Kokosöl, das ins Fell gerieben wird, können einen Befall oft verringern. Hat der Hund jedoch öfter Zecken, hilft meist nur ein chemisches Zeckenschutzmittel. Neben Spot-Ons und wirkstoffhaltigen Halsbändern gibt es inzwischen auch Mittel, die als Kautabletten vom Hund eingenommen werden. Heutzutage wird der Zeckenschutz leider immer wichtiger. Denn aufgrund des Klimawandels wird die Zeckenzeit nicht nur länger, sondern es wandern auch bisher nicht hier heimische Arten ein. Dadurch steigt auch die Zahl der Infektionen mit durch Zecken übertragenen Krankheiten (neben Borrelliose auch immer öfter Babesiose, Anaplasmose und andere).

Auch ein Flohbefall gehört zu den sehr unangenehmen Seiten der Hundehaltung. Anzeichen dafür ist häufiges Kratzen beim Hund. Findet man zusätzlich auch noch dunkle Krümel im Fell des Hundes, sollte man diese auf nassen Zellstoff legen. Verfärbt der Krümel das nasse Papier rötlich, handelt es sich höchstwahrscheinlich um Flohkot. Da nur der kleinste Teil der Flöhe auf dem Hund lebt, müssen neben dem Hund auch dessen Liegeplätze mit speziellen Anti-Floh-Mitteln behandelt werden. Decken sollten gewaschen und die ganze Wohnung penibel gesaugt werden. Viele der oben genannten Zeckenschutzmittel verhindern gleichzeitig auch einen Flohbefall. 

Vorsorge gegen Gelenkerkrankungen und Hüftdysplasie

Bei allen mittelgroßen und großen Hunderassen kommt es mehr oder weniger häufig zu Gelenkproblemen. Umso häufiger, je größer und massiger der Hund ist.2 Zu den häufigsten und auch bekanntesten Gelenkproblemen bei Hunden zählt die Hüftdysplasie (Hüftgelenksdysplasie, HD). Darunter versteht man eine Fehlentwicklung des Hüftgelenks, die im Verlauf zu zunehmenden Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führt. Außerdem tritt bei manchen Hunderassen auch die Ellenbogendysplasie (ED) auf, die die Vorderläufe betrifft.

Risikofaktoren für das Auftreten einer Hüftdysplasie (HD) und Ellenbogendysplasie (ED)

Risikofaktorfür HD und EDDas kann man dagegen tun
Erbliche FaktorenHD und ED sind zu einem gewissen Grad vererblich. Züchter röntgen ihre Hunde zur Kontrolle und dürfen laut Vorgaben der Zuchtverbände nur innerhalb bestimmter Vorgaben mit ihren Hunden züchten. Dadurch lässt sich das Auftreten von HD und ED in Hunderassen nachweislich senken.3 Die beste Vorsorge ist deshalb, einen verantwortungsvollen Züchter auszuwählen.
ErnährungFalsche Fütterung und ein dadurch zu schnelles Wachstum beim Junghund können bei entsprechender Veranlagung eine HD oder ED begünstigen. Übergewicht sollte ein Hundeleben lang vermieden werden, da es die Gelenke belastet.
Falsche BewegungEine Überforderung des Welpen und Junghundes kann die Gelenke schädigen. Hat ein erwachsener Hund bereits eine Veranlagung zu HD oder ED, können Sport, Sprünge und belastende Bewegungen (zum Beispiel schnelles Starten und Stoppen beim Bällchenwerfen) schaden. Deshalb lassen manche Hundesportler ihre Hunde vorsorglich röntgen.
TreppenlaufenBeim regelmäßigen Laufen von Treppen ist bei Welpen und Junghunden Vorsicht geboten. Das gilt vor allem für das Abwärtslaufen, das die Gelenke der Vorderbeine stark belastet. Kurze Treppen oder gelegentliches Gehen über längere Treppen hingegen ist auch für junge Hunde in Ordnung und sogar eine gute Übung, da auch das Treppenlaufen gelernt sein will.

Genetisch bedingte Erkrankungen: Gentests und Vererbung

Wer einen Welpen beim Züchter holt, der wird sich bis zu einem gewissen Grad mit den rassespezifischen Erkrankungen „seiner“ Rasse vertraut machen. Dabei stößt man bei allen Rassen auf bestimmte, rassespezifische Erkrankungen und Gentests. Ein Test ermöglicht es Züchtern, die Verpaarung von zwei Hunden bereits im Vorfeld so zu planen, dass es keine kranken Welpen gibt. Zumindest in der Theorie, denn ganz so einfach ist das oft nicht. Die Hintergründe der Genetik und Vererbung sind komplex. Inzwischen gibt es zahlreiche Listen, Vererbungstabellen und ganze Bücher über Erbkrankheiten bei den jeweiligen Hunderassen. Hier sollen nur einige der wichtigsten Punkte aufgeführt werden, die Hundebesitzer wissen sollten, um die Infos der Züchter verstehen und hinterfragen zu können.

Wie kommt es zu rassetypischen Erbkrankheiten?

Rassen und Zuchtlinien entstehen, indem ähnliche Hunde immer wieder miteinander gekreuzt werden. So lassen sich Arbeitseigenschaften, Wesen und Aussehen innerhalb der Rasse festigen. Allerdings wird dadurch auch der genetische Pool, die Vielfalt der Gene, geringer. Das hat zur Folge, dass mutierte Gene innerhalb einer Rasse häufiger auftreten können. Manche Erkrankungen lassen sich einfach erkennen. Schließt man betroffene Hunde von der Zucht aus, verbreitet sich die Erbkrankheit nicht weiter. Andere Erkrankungen hingegen sind äußerlich nicht sichtbar, äußern sich erst im späteren Lebensalter oder nur dann, wenn zwei betroffene Tiere miteinander verpaart werden. Solche Krankheiten verbreiten sich oft unbemerkt weiter und stellen die Züchter vor große Herausforderungen.

Rezessive Vererbung: Was heißt Träger, frei oder betroffen?

Viele Erbkrankheiten werden rezessiv vererbt. Das bedeutet: Jedes Gen liegt immer in zwei Allelen (quasi zwei Genkopien) vor. Ist nur ein Allel betroffen (heterozygot), ist der Hund ein „Träger“ (carrier). Er trägt ein fehlerhaftes und ein normales Allel, wird selbst jedoch selbst nicht krank. Solche Tiere kann man nur mit einem Gentest erkennen. Unter den Nachkommen zweier Träger, erbt jeder Nachkomme jeweils ein Allel des Gens von jedem Elternteil. Dadurch erhalten 25% der Hunde zwei fehlerhafte Allele und sind damit von der Krankheit homozygot betroffen. Als „genetisch frei“ (oder „non-carrier“) bezeichnet man Hunde, die zwei gesunde Allele haben.

Geben Gentests eine 100%ige Sicherheit?

Heute gibt es für viele Erkrankungen Gentests. Eine Garantie für gesunde Tiere hat man jedoch trotzdem nie (genauso wie auch jeder Mischling und jeder Rassehund krank werden kann). Getestet wird nur auf die häufigsten Erkrankungen. Außerdem gibt es auch einige Krankheiten, für die es keinen Gentest gibt. Das kann der Fall sein, wenn das entsprechende Gen nicht bekannt ist, wenn verschiedene Gene und Faktoren dazu beitragen (wie bei der Hüftdysplasie) oder wenn nicht sicher ist, ob die Erkrankung überhaupt vererblich ist und wie sie vererbt wird.

Dennoch sorgen Gentests bei Zuchttieren und bei den Welpen dafür, dass Welpenkäufer eine große Sicherheit haben. Viele häufige Erkrankungen sind bereits ausgeschlossen. Die Chance auf einen gesunden Welpen dieser Rasse ist sehr viel größer, als wenn keine Tests gemacht werden.4

Was bedeutet „Free by parentage“?

Sind beide Elterntiere für eine bestimmte Erkrankung „non-carrier“, also tragen sie (im Gentest nachgewiesen) zwei gesunde Allele, können sie diese Erkrankung auch nicht vererben. In diesem Fall sind die Welpen dieser Elterntiere frei von dem Gendefekt, da sie von beiden Seiten nur gesunde Allele erben können. Man sagt dann oft, sie sind „free by parentage“ oder „genetisch frei durch die Elterntiere“. Der Welpe muss dann nicht separat auf diesen Gendefekt getestet werden.

Wieso wird mit Tieren weitergezüchtet, die Träger einer Erbkrankheit sind?

Tiere die von einer Krankheit nicht betroffen, aber Träger sind, findet man oft in der Zucht. Doch warum werden sie nicht aus der Zucht genommen? So könnte man doch innerhalb kürzester Zeit eine Erkrankung ganz aus der gesamten Rasse entfernen? Der Grund ist der genetische Pool. Je größer die Anzahl der Zuchttiere, desto größer ist die genetische Vielfalt. Mit der Anzahl der Tiere wird es auch leichter, gesunde Hunde zu züchten. Man kann eine einzelne Erkrankung deshalb nicht isoliert betrachten. Darum wird von Züchtern und Zuchtverbänden von Fall zu Fall entschieden, was für die gesamte Rasse am sinnvollsten ist.

Quellen

Thomas Riepe. Einfach Hund sein dürfen. Ulmer Verlag, 2016. ISBN 978-3-8001-3378-9.

King MD. Etiopathogenesis of Canine Hip Dysplasia, Prevalence, and Genetics. Vet Clin North Am Small Anim Pract. 2017 Jul;47(4):753-767.

Oberbauer AM, Keller GG, Famula TR. Long-term genetic selection reduced prevalence of hip and elbow dysplasia in 60 dog breeds. PLoS One. 2017; 12(2): e0172918.

Irene Sommerfeld-Stur. Rassehundezucht: Genetik für Züchter und Halter. Müller Rüschlikon; Auflage: 1 (28. April 2016). ISBN 978-3-2750-2060-7.

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