FAQ: Die Vermenschlichung von Hunden

Aktualisiert am: 22.11.2023

Treue Begleiter, Familienmitglieder, Kinder, Seelenverwandte, Beschützer und mehr – es gibt viele Titel, welche Menschen ihren Hunden zuordnen. Im Hintergrund der Titel versteckt sich der Gedanke, dass Hunde menschliche Charakteristiken aufweisen. Was in diesem Kontext schnell vergessen wird, ist jedoch, dass Vierbeiner andere Bedürfnisse haben. In diesem Artikel werden wir einen genaueren Blick auf diese Bedürfnisse werfen.

Was Sie erwartet

  • Vermenschlichung von Hunden
  • Beispiele einer Vermenschlichung
  • Emotionales Leiden bei Hunden
  • Tierärztliche Diagnose
  • Bedürfnisse der Hunde
  • Bausteine einer gesunden Erziehung
  • Fazit über die Vermenschlichung

Können Hunde vermenschlicht werden?

Die Vermenschlichung von Hunden durch Besitzer ist ein weit verbreitetes Phänomen. Als ein klares Problem wird es oft nicht angesehen, da es meist das Ergebnis gut gemeinter Fürsorge ist. Bei dieser Fürsorge projizieren die Besitzer menschliche Eigenschaften, Emotionen und Bedürfnisse auf ihre pelzigen Begleiter. Dies kann zu starken emotionalen Bindungen, aber auch zu Missverständnissen führen. Denn die Vernachlässigung natürlicher Verhaltensweisen kann sich negativ auf die Gesundheit des Vierbeiners auswirken.

Häufige Beispiele: Vermenschlichung beim Hund

Die häufigsten Beispiele einer Vermenschlichung sind Situationen, in denen Besitzer…

  • menschliche Eigenschaften, Gefühle oder Verhaltensweisen auf den Hund projizieren.
  • ihren Tieren übertriebene Kleidung anziehen.
  • unangemessene Ernährungsgewohnheiten normalisieren, wie beispielsweise das Teilen von menschlichen Lebensmitteln.
  • die Verwendung menschlicher Sprache zur Kommunikation normalisieren.
  • Hunde in unangemessene menschliche Aktivitäten involvieren.

Eine gesunde Erziehung sowie ein gesundes Verhältnis ohne die Duldung der genannten Beispiele respektiert die einzigartigen Bedürfnisse des Hundes und fördert ein ausgewogenes Zusammenleben.

Können sie emotional darunter leiden?

Hunde können ohne Frage an der Vermenschlichung leiden. Dies liegt daran, dass in der Besitzer-Hund-Beziehung nur menschliche Bedürfnisse befriedigt werden. Die natürlichen Sehnsüchte des Hundes werden dabei aufgrund fehlendem Bewusstsein ignoriert. Resultierend daraus kann eine verinnerlichte Trauer oder sogar Depression entstehen:

Medizinisch betrachtet können Depressionen bei Hunden nicht klar definiert werden. Anders als Menschen können sie ihre Gefühle nicht verbal ausdrücken. Dennoch gibt es Verhaltensweisen, welche auf den emotionalen Zustand hindeuten können. Ein Artikel des Schecker Blogs informiert zum Thema Trauer und Depressionen bei Hunden. Hier werden Anzeichen wie Desinteresse an Lieblingsaktivitäten, kleine Augen, traurige Blicke, Winseln oder Wimmern, vermehrtes Schlafen und keine Lust zu Fressen aufgezählt. Neben diesen Anzeichen können auch klassische Stressanzeichen wie vermehrtes Lecken oder Trinken auf emotionale Verwundbarkeit hinweisen.

Was kann ich dagegen tun?

Sollte man derartige Anzeichen beobachten, so empfiehlt sich der Besuch eines Tierarztes. Dieser kann eine Diagnose auf Basis einer umfangreichen Anamnese sowie Verhaltensbeobachtungen aufstellen. Zusätzlich kommen in manchen Fällen Labortests infrage. Dies liegt daran, dass Depressionen mit Veränderungen in Neurotransmittern (wie Serotonin und Dopamin im Gehirn) in Verbindung stehen können. Auch genetische und umwelttechnische Faktoren sowie Stressoren können eine Rolle spielen. Des Weiteren können gesundheitliche Probleme wie Schmerzen oder neurologische Erkrankungen zu Verhaltensänderungen führen. Die Labortests können diese Bedenken ausschließen. Dadurch kann sichergestellt werden, dass die Vermenschlichung alleine Grund für Beschwerden beim Hund sind.

Wichtig:

Hunde müssen keine offensichtlichen Beschwerden haben, um unter emotionaler Trauer zu leiden. Vermenschlichung sind in jedem Fall eine ernstzunehmende Angelegenheit. Bei Verdacht einer Vermenschlichung kann der Tierarzt sowie ein Hundetrainer beraten.

Was sind die Bedürfnisse meines Hundes?

Wie bereits erwähnt geben Besitzer ihren Hunden gewisse Titel, welche der Vermenschlichung beisteuern. Um die wahre Erfüllung der Bedürfnisse eines Hundes zu erleben, empfiehlt es sich, dem Hund nun auf Basis seiner Instinkte Titel zuzuweisen:

  1. Geben Sie Ihrem Hund den Titel Rudeltier

Hunde sind äußerst soziale Tiere, weshalb regelmäßige Interaktion mit Artgenossen und Menschen entscheidend sind. Die gezielte Aufnahme sozialer Interaktionen im Welpenalter hilft, die sozialen Fähigkeiten des Hundes zu stärken. Sollte der Hund keinerlei Sozialisation dulden, sollte diese nicht erzwungen werden. Bei verstärkten Emotionen wie Aggression oder „an der Leine ziehen“ empfiehlt sich der Kontakt zu einem Experten.

Achtung: Das Ziehen an der Leine kann die Besitzer anderer Artgenossen verunsichern. Dadurch wird eine Begrüßung der Hunde meistens nicht gedulden. Ein Training zur Vermeidung derartiger Ausbrüche kann dafür sorgen, dass die Sozialisation zu anderen Hunden gelingt.

  • Geben Sie Ihrem Hund den Titel Trainingstier

Fakt ist, dass Hunde ausreichend Bewegung und geistige Herausforderungen benötigen. Wird das Grundbedürfnis dauerhaft ignoriert, können neben Depressionen auch körperliche Erkrankungen auftreten. Spaziergänge, Spielzeit und Trainingseinheiten tragen zu einem ausgeglichenen Verhalten bei. Hat man hierfür keine Zeit oder Energie, sollte man sich als Besitzer hinterfragen.

  • Geben Sie Ihrem Hund den Titel Fresser

Der Körper von Hunden verlangt genauso nach gewissen Nährstoffen wie der menschliche Körper. Eine ausgewogene Ernährung, angepasst an die spezifischen Bedürfnisse der Rasse und des Alters, ist deshalb entscheidend.

  • Geben Sie Ihrem Hund den Titel Intelligenzbestie

Die Intelligenz der Hunde ist bemerkenswert. Bei einer Vermenschlichung wird diese oft falsch oder unzureichend gefördert, wodurch falsche Verhaltensweisen antrainiert werden. Wichtig ist es jedoch, den Hund mit klaren Regeln zu trainieren. Die Konsistenz und Durchsetzung dieser, bietet dem Hund Sicherheit und Struktur.

  • Nennen Sie sich selbst einen guten Hundebesitzer

Abschließend ist es wichtig zu realisieren, dass man durch Ordnung, Regeln und Förderung ein guter Hundebesitzer ist. Denn im Gegensatz zu der Vermenschlichung respektiert man so, die Bedürfnisse seines Hundes.

Fazit – So erfüllen Sie das Leben Ihres Hundes

Die wahre Liebe zu einem Hund zeigt sich nicht darin, ihn menschlich zu behandeln. Sie zeigt sich darin, seine Bedürfnisse als Hund zu erfüllen und ihm die bestmögliche Lebensqualität zu bieten. Dazu gehört ein ausgewogenes Verständnis und die Berücksichtigung ihrer Tierart. Der Respekt macht dabei nicht den Hund glücklicher, sondern fördern auch eine tiefere Verbindung zwischen Mensch und Tier.