Hunde erziehen und richtig trainieren

Aktualisiert am: 19.03.2024

Zur Erziehung eines Hundes gehört neben Sozialisation, Wissen über Lernverhalten und regelmäßigem Training immer auch Geduld, Humor und Spaß an der Zusammenarbeit. Gemeinsam zu wachsen und aus dem Hund einen zuverlässigen Begleiter zu machen, sollte in erster Linie Freude bereiten. Aber es sorgt auch dafür, dass Hund und Mensch mehr Lebensqualität haben. Denn erst wenn bestimmte Dinge wie ein sicherer Abruf funktionieren, kann der Hund alle Freiheiten wie den Freilauf genießen.

Allerdings gibt es unzählige Wege, um dorthin zu gelangen. Hellhörig werden sollte man bei allen Extremen. Wenn primär über Einschüchterung oder Schmerz trainiert wird, ist das ein absolutes No-Go. Aber auch das Gegenteil, also ein Training, das ausschließlich auf Lob und Leckerli basiert, kann für Verunsicherung beim Hund sorgen. Und zwar immer dann, wenn klare Grenzen, feste Regeln und ein Abbruchkommando fehlen. Mit den folgenden Tipps gelingen eine gute Erziehung und eine harmonische und freudige Zusammenarbeit zwischen Mensch und Hund.

Lernverhalten: So lernt ein Hund

Für eine erfolgreiche Hundeerziehung, muss man nicht unbedingt ein Experte in Lernverhalten werden. Aber wenn man die wichtigsten Hintergründe und Begriffe kennt, kann das helfen, das Lernen besser zu verstehen. Dadurch ist es einfacher, zu erkennen, warum ein Training nicht funktioniert und andere Dinge wiederum sehr gut klappen.

Was ist „Lernen“ beim Hund?

Ein Hund lernt über Erfahrungen. Folgt auf eine Tätigkeit immer etwas Gutes, wird der Hund das Verhalten öfter zeigen. Wenn aber durch das Verhalten etwas Negatives (oder zumindest kein Erfolg) entsteht, wird der Hund das Verhalten seltener zeigen.

Was man bei Erziehung und Training erreichen möchte, ist also eine solche Verknüpfung beim Hund. Viele Dinge, die zur Bildung solcher Verknüpfungen maßgeblich wichtig sind (zum Beispiel das richtige Timing und Konsequenz) werden unten bei den Erziehungs-Tipps näher erklärt.

Lernen über positive Bestärkung oder Strafen?

Oft haben Menschen nur zwei Dinge im Kopf, wenn es um die Veränderung von Hundeverhalten geht: Positive Bestärkung (zum Beispiel durch Leckerli oder Lob) nach gewünschtem Verhalten oder eine Strafe (zum Beispiel Schimpfen) nach unerwünschtem Verhalten. Allerdings gibt es noch zwei weitere Möglichkeiten, wie ein Hund lernt. Alle vier Bereiche des Lernens wurden erstmals bereits in den 1930er-Jahren von dem US-amerikanischen Psychologen B. F. Skinner beschrieben.1 Im Folgenden werden sie mit Beispielen vorgestellt.

Wichtig ist dabei: Der Hauptfokus sollte immer auf der positiven Bestärkung liegen. Mehr dazu bei den Erziehungs-Tipps.

Der Hund soll das Verhalten öfter zeigen (gutes bzw. gewünschtes Verhalten verstärken):

  • Positive Verstärkung: Immer wenn der Hund das Verhalten zeigt, folgt eine Belohnung. Belohnungen können verbales Lob, Leckerli oder ein Spiel sein. Aber auch viele weitere Dinge kann man als Belohnung einsetzen (Beispiele gibt es unten bei den Erziehungstipps). Solchermaßen Gelerntes wird vom Hund oft besonders freudig ausgeführt. Beispiel: Ein Welpe wird animiert, sich zu setzen, oder man nutzt eine Situation, in der er sich von selbst setzt. In dem Moment, wo der Hintern nach unten geht, sagt man „Sitz“ und belohnt den Hund.
  • Negative Verstärkung: Immer wenn der Hund ein gewünschtes Verhalten zeigt, wird etwas Negatives weggenommen. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn der Hund weiterlaufen soll und man zieht auf das Signal „Weiter“ an der Leine. Der Zug auf das Halsband oder Geschirr (unangenehmer Reiz) hört auf, wenn der Hund das gewünschte Verhalten zeigt (Weiterlaufen). Ein weiteres Beispiel: Der Hund soll „Sitz“ machen. Damit er das tut, wird er mit der Hand am Hintern nach unten gedrückt oder körpersprachlich (zum Beispiel durch bedrohliches Vorbeugen) bedrängt, bis er sich setzt. Sitzt er, verschwindet der negative Reiz (nach unten drücken oder bedrohen).

Der Hund soll ein Verhalten seltener zeigen (man will also unerwünschtes Verhalten bestrafen):

  • Positive Strafe (ängstigende Strafe): Das Wort „positiv“ hat hier nichts mit „gut“ zu tun, sondern damit, dass etwas hinzugefügt wird. Das was zugefügt wird, muss so unangenehm sein, dass der Hund das bestrafte Verhalten ab jetzt weniger zeigt. Es handelt sich also um etwas, das unangenehm ist, Angst macht, Schmerz verursacht oder einen Schmerzreiz ankündigt. Typische positive Strafen sind der Leinenruck, Anspritzen mit Wasser oder körperliche Strafen wie Kneifen oder Treten. Allerdings können solche Strafen viel an Vertrauen und Bindung zerstören, vor allem bei falscher Anwendung. Wer ständig das gleiche Verhalten bestrafen muss, setzt die Strafe falsch ein (sie führt ja schließlich nicht dazu, dass das Verhalten seltener gezeigt wird) und sollte lieber einen anderen Trainingsansatz wählen. Erfolgreich sind positive Strafen nur dann, wenn sie mit optimalen Timing eingesetzt werden und den Hund stark genug (aber nicht zu stark) beeindrucken. Die Strafe sollte ruhig und ohne Wut erfolgen. Zudem sollte sie immer angekündigt werden, damit der Hund die Chance hat, sein Verhalten selbständig zu korrigieren. Diese Umsetzung ist für manche Menschen jedoch schwer. Zudem können falsch angewendete Strafen bei Hunden zu einer verteidigenden Aggression führen.
  • Negative Strafe (frustrierende Strafe): Eine Strafe kann es für den Hund auch sein, wenn etwas Angenehmes entfernt wird. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn der Hund Aufmerksamkeit fordert, indem er bellt. Wendet man sich in diesem Moment vom Hund ab, ignoriert ihn oder verlässt das Zimmer, entzieht man ihm etwas Angenehmes – nämlich die gewünschte Aufmerksamkeit. Allerdings löst eine solche Strafe Frust aus. Bei fehlender Frustrationstoleranz kann dadurch beim Hund Stress und dadurch weiteres Fehlverhalten (Bellen, Hochspringen) auftreten.

Tipps und No-Gos in der Hundeerziehung

Die Erziehung eines Hundes immer individuell und erfordert Flexibilität. Den einzig richtigen Weg oder Patentmethoden, die bei jedem Hund funktionieren, gibt es nicht. Allerdings können die folgenden Tipps und No-Gos eine gute Basis für Training und Erziehung des Hundes schaffen.

Die fünf wichtigsten Tipps für die Erziehung beim Hund

Tipp 1: Timing

Timing ist essenziell in der Hundeerziehung. Ein Hund kann nur innerhalb sehr kurzer Zeit eine Belohnung oder Strafe mit seiner Handlung verknüpfen. Oft sprechen Experten von einer Spanne von zwei oder maximal drei Sekunden, die zwischen Handlung und Belohnung (bzw. Strafe) liegen sollte. Beispiel: Der Hund macht Sitz. Man möchte das belohnen, hat aber das Leckerli noch in der Tasche. Das Kramen nach der Belohnung dauert aber zu lange. Vielleicht steht der Hund in der Zeit sogar wieder auf und bekommt dann erst das Leckerli. Auch die Abfolge der Handlungen ist wichtig. Es wird immer das belohnt, was der Hund zuletzt gezeigt hat. Beispiel: Jemand ruft seinen Hund, er kommt. Der Besitzer fordert dann ein Sitz ein und belohnt den Hund. Der Hund bezieht die Belohnung dann möglicherweise nur auf die letzte Handlung, das „Sitz“.

Tipp 2: Konsequenz und feste Regeln

Konsequenz ist nicht das Gleiche wie Strenge. Konsequente Erziehung bedeutet: Einige Dinge sind immer (jedes Mal!) verboten, andere Dinge sind immer erwünscht und führen zu Lob und Belohnungen. Das gilt nicht nur für den Besitzer, sondern für alle Menschen, die regelmäßig mit dem Hund zu tun haben. Und auch bei Fremden sollte man ein Auge darauf haben. Beispiel: Der junge Hund springt kaum noch hoch, weil man das daheim konsequent jedes Mal unterbindet. Begegnet er jedoch dem Nachbarn, begrüßt dieser den Hund stürmisch und knuddelt und lobt ihn, während er an ihm hochspringt. Unter Umständen tritt das Verhalten dadurch jetzt wieder häufiger auf. Besser wäre es, den Nachbarn zu bitten, mit an einem Strang zu ziehen. Oder den Hund an der Leine zu lassen, damit man das Hochspringen abbrechen kann.

Tipp 3: Den Hund motivieren und richtig belohnen

Belohnungen sind viel mehr als nur Leckerli. Es gibt viel mehr, auf was man zurückgreifen kann, wenn der Hund belohnt werden soll. Man spricht dabei von der bedürfnisorientierten Belohnung. Eine Belohnung ist alles, was ein momentanes Bedürfnis des Hundes befriedigt. Lässt der Hund sich aus einem Spiel mit Artgenossen abrufen, kann man ihn zum Beispiel als Belohnung wieder weiter am Spiel teilnehmen lassen. Statt mit einem Stück Futter kann man auch damit belohnen, dass man einige Leckerli ins Gras wirft und der Hund darf die Belohnung schnüffelnd suchen. Auch Spielzeug kann man bei manchen Hunden gut als Belohnung nutzen. Stimmliches Lob funktioniert fast immer. Streicheln hingegen wird von Hunden oft nur als Belohnung empfunden, wenn sie in der passenden Stimmung sind. Ein aufgeregter Hund weicht einer streichelnden Hand vielleicht sogar aus.

Tipp 4: Geduld, Spaß und Humor nicht verlieren

Dies ist wohl der wichtigste Tipp überhaupt. Bei manchen Hund-Halter-Teams gibt es Phasen, in denen das Training einfach nicht mehr klappt. Vielleicht in der Pubertät des Hundes, vielleicht aber auch ohne nachvollziehbaren Grund. Gerade in solchen Phasen ist es wichtig, liebevolle Geduld und Humor zu bewahren. Manchmal hilft in schwierigen Zeiten: Einen Schritt zurückgehen, einige Tage nichts trainieren und stattdessen gemeinsam Spaß zu haben und Qualitätszeit zu verbringen. Oft klappt es dann plötzlich viel besser. Denn ein Hund kann in gelassener und entspannter Stimmung viel besser Lernen als unter Stress.

Tipp 5: Auf das Bauchgefühl hören

Manche Menschen tendieren dazu, sich zu viele Gedanken über die Erziehung des Hundes zu machen. Allerdings ist es wichtiger, spontan zu reagieren und dem Bauchgefühl zu folgen. Dabei sollte man keine Angst vor Fehlern haben. Wer ist schon perfekt? Für den Hund ist es meist besser, wenn der Halter nach seinem Bauchgefühl reagiert, als wenn das Ganze zu „verkopft“ angegangen wird. Wer sich erst Gedanken macht, was die drei gelesenen Erziehungsratgeber in dieser Situation raten, reagiert oft nicht mehr authentisch. Und das spüren Hunde. Beispiel: Ein junger Hund hat die Beißhemmung eigentlich schon gelernt. Im Spiel dreht er jedoch so auf, dass er doch noch einmal herzhaft in die Hand beißt. Der Halter reagiert aus dem Bauch heraus mit einem lauten „Spinnst du?“ und stößt den Hund unsanft weg. Der Hund quiekt erschrocken und ist sichtlich beeindruckt, der Halter bietet ihm sofort wieder Nähe an und das Spiel geht gemäßigter weiter. Natürlich hätte man sich jetzt Gedanken machen können, ob es auch ohne Maßregelung oder sanfter geht. Aber dann wäre der Moment vielleicht schon vorbei gewesen. Und der Hund hätte nicht gelernt, dass Zubeißen ein No-Go ist.

Fünf Fehler bzw. No-Gos in der Hundeerziehung

No-Go 1: Dinge erwarten, die der Hund noch gar nicht gelernt hat

Kein Hund hat automatisch eingebaute Kenntnisse. Hunde müssen lernen, was „Nein“ heißt, was „Komm her“ heißt und auch ihren Namen kennen sie erst, wenn sie ihn gelernt haben. Klappt etwas nicht, sollte man sich deshalb die Fragen stellen: Habe ich das Kommando überhaupt richtige aufgebaut? Oder schimpfe bzw. strafe ich vielleicht in einer Situation, in der ich dem Hund noch gar nicht beigebracht habe, wie er sich richtig verhält? Darum gilt: Jedes Kommando sollte sorgfältig aufgebaut werden. Am besten überlegt man sich, was der Hund in einer bestimmten Situation tun soll, und nicht, was er NICHT tun soll.

No-Go 2: Kommandos nicht ausreichend üben und generalisieren

Hunde brauchen unzählige (wirklich Tausende) Wiederholungen, bis ein Kommando gefestigt ist. Dabei sollte man beachten, dass Hunde situationsabhängig und ortsbezogen lernen. Das heißt, wenn etwas Hause perfekt klappt, funktioniert es draußen nicht automatisch auch. Oder der Hund läuft perfekt bei Fuß, aber gerade dann, wenn ein anderer Hund vorbeiläuft (und man es am meisten bräuchte) funktioniert es nicht. Wichtig ist das Generalisieren. Der Hund lernt nur dann, dass ein Kommando immer und überall gleichermaßen gilt, wenn man es mit steigender Ablenkung und an verschiedenen Orten übt. Die Schwierigkeit sollte man dabei langsam steigern und erst dann den nächsten Schritt machen.

No-Go 3: Unklare Kommunikation und unpassende Körpersprache

Hunde lernen Kommandos entweder über ein Hörzeichen („Sitz“) oder ein Sichtzeichen (für das „Sitz“ wählen viele den erhobenen Zeigefinger). Während für uns Menschen das Hörzeichen oft wichtiger ist, kommunizieren Hunde viel mehr über Körpersprache und beobachten jede unserer Bewegungen genau. Deshalb ist für sie das Sichtzeichen oft wichtiger als das Hörzeichen. Was das Verständnis für den Hund erschwert, sind zum Beispiel: Wechselnde Kommandos (Komm her, Komm jetzt, Komm, Hierher, usw.). Auch wenn Sicht- und Hörzeichen nicht zusammenpassen, macht es das dem Hund unnötig schwer. Und auch die Körpersprache ist extrem wichtig. Oft klappt zum Beispiel der Abruf viel besser, wenn man sich dabei einladend vom Hund wegdreht und vielleicht sogar einige Schritte zurückgeht. Und sich nicht in Richtung Hund nach vorne beugt oder auf den Hund zugeht, was bedrohlich wirkt.

No-Go 4: Nicht authentisch sein

Hunde hören Frustration in der Stimme und spüren ganz genau, wenn wir nur „so tun als ob“. Es bringt also nichts, weiter zu trainieren und zu loben, wenn einem innerlich überhaupt nicht nach freundlichem Lob zumute ist. Hunde sind Meister darin, Stimmungen wahrzunehmen. Deshalb kann man Wut oder Frust einem Hund gegenüber nur schlecht überspielen. Besser ist es, an einem schlechten Tag einfach nicht zu trainieren und stattdessen andere Dinge zu machen.

No-Go 5: Sich nach starren Methoden statt nach seinem Hund richten

Es gibt Trainer und Bücher, die nach ganz bestimmten Methoden arbeiten oder die bestimmte starre Regeln als allgemeingültig ansehen. Allerdings ist jede Rasse und jeder Hund individuell sehr unterschiedlich. Auch Welpen, gut sozialisierte erwachsene Hunde, Hunde aus dem Tierschutz mit „Altlasten“ oder verhaltensauffällig Hunde brauchen jeweils komplett unterschiedliche Trainingsansätze. Beispiel: Für die meisten Hunde ist es völlig unproblematisch, mit Herrchen oder Frauchen auf der Couch zu kuscheln. Im Gegensatz dazu kann es für einen anderen Hund angemessen sein, dass er nicht mehr auf das Sofa darf, weil es er vielleicht verteidigt und Menschen anknurrt, die sich neben ihn setzen möchten. Das ist aber kein Grund, alle Hunde aus Erziehungsgründen prinzipiell nicht auf Sofa oder Bett zu lassen.

8 wichtige Grundkommandos richtig aufbauen und üben

Es gibt einige Grundkommandos, die für fast jeden Hund sinnvoll sind. Ein Pflichtprogramm ist das jedoch nicht. Immerhin hat jeder Halter andere Wünsche und Ansprüche an seinen Hund. Als Anregung finden Hundehalter hier die acht wichtigsten Grundkommandos mit einer kurzen Zusammenfassung, wofür man sie braucht und wie man sie am besten trainiert.

Grundkommando 1: Abruf („Komm her“)

Ein gut funktionierender Abruf schenkt dem Hund Freiheit. Denn nur wer zuverlässig auf Abruf kommt, kann frei ohne Leine laufen. Zudem ist der Abruf auch ein Schutz vor Verletzungen und Gefahrensituationen. Wenn man den Hund abruft, wenn ein Auto oder ein angeleinter Hund auftaucht, kann das Konfliktsituationen und Unfälle verhindern.

So übt man den Abruf: Am besten nutzt man ein Signal, dass man sonst im Alltag nicht ständig verwendet. Auch eine Pfeife kann man verwenden. Allerdings muss man diese dann auch immer dabei und griffbereit haben. Für den Anfang sollte man nur dann rufen, wenn der Hund bereits kommt. Gut klappt es oft auch, wenn zwei Personen den Hund hin und her rufen. Dann steigert man langsam nach und nach die Ablenkung. Der Abruf ist das Signal, das man so früh wie möglich üben und so genau und langsam wie möglich aufbauen sollte. Bis die „Königsklasse“ funktioniert – aus dem Spiel mit Hunden abrufen, Rüden von läufiger Hündin abrufen, Hund von rennendem Wild abrufen – dauert es. Aber es lohnt sich!

Grundkommando 2: Etwas aus dem Maul geben („Aus“)

Auf das Signal „Aus“ hin (oder ein anderes Wort nach Wahl) soll der Hund hergeben oder ausspucken, was er im Maul hat. Das kann ein Spielzeug oder ein Kauknochen sein, aber auch etwas Undefinierbares (schlimmstenfalls ein Giftköder), das der Hund beim Spaziergang aufgenommen hat.

So übt man das „Aus“: Dass der Hund freiwillig und zuverlässig Dinge hergibt, kann man am Anfang am besten über ein Tauschgeschäft aufbauen. Welpen (und natürlich auch erwachsenen Hunden) kann man als erste Übung ein Leckerli hinhalten, wenn sie ein Spielzeug im Maul haben. In dem Moment, in dem der Hund das Spielzeug loslässt, sagt man „Aus“ und belohnt mit dem Leckerli. Auch ein Tausch zwischen zwei Spielzeugen ist möglich. Damit das Aus-Kommando nicht damit verknüpft wird, dass der Hund dann immer etwas Tolles hergeben muss, hilft: Nach dem „Aus“ belohnen und dann das Spielzeug oder den Kauknochen wieder zurückgeben.

Nimmt man dem Hund hingegen Dinge zu grob einfach ab, neigen manche Hunde vermehrt dazu, Futter oder Spielzeug zu verteidigen. Oder sie schlingen Fressbares, was sie im Mund haben, möglichst schnell herunter, um es nicht hergeben zu müssen. Zum „Aus“ gehört also auch Vertrauen. Als zusätzliche Vertrauensübung hilft, dem Hund beim Fressen niemals das Futter einfach wegzunehmen. Stattdessen lieber hin und wieder, während der Hund frisst, etwas besonders Gutes in den Napf dazulegen. So erreicht man, dass der Hund sich sogar freut, wenn jemand an seinen Napf geht, da er etwas Positives damit verknüpft hat.

Grundkommando 3: Abbruch („Nein“)

  • Auf ein Abbruchkommando hin (zum Beispiel „Nein“ oder „Lass es“) soll der Hund das, was er gerade tut (oder tun wollte) sofort abbrechen. Damit der Hund das Nein generalisieren, also auf verschiedenste Situationen übertragen, kann, ist viel Übung nötig. Immerhin soll der Hund auf ein Nein hin aufhören hochzuspringen, in die Leine zu beißen oder etwas ins Maul zu nehmen, was er gerade ansteuert.
  • So übt man den Abbruch: Der Abbruch lässt sich über zwei Wege festigen, die erfahrungsgemäß am Besten parallel laufen. Zum einen sollte man das Nein positiv aufbauen: Eine der gängigsten Möglichkeiten ist es, den Hund Leckerli aus der Hand fressen zu lassen. Dann schließt man mit einem „Nein“ die Hand. Der Hund wird nun ausprobieren, wie er an das Leckerli kommt. Zunächst probiert er es vielleicht mit lecken, knabbern oder stupsen. Sobald der Hund sich zurücknimmt (sich setzt, Abstand hält oder zur Seite schaut), bekommt er das Leckerli. Das lässt sich steigern, bis man schließlich die Hand auch offen lassen kann und ein „Nein“ ausreicht, damit der Hund das Leckerli nicht nimmt.
  • Damit das Nein generalisiert überall funktioniert, kann man es im Alltag mit der zweiten Möglichkeit trainieren. Dazu setzt man es über eine negative oder positive Strafe durch (eine Erklärung der Begriffe negative und positive Strafe gibt es oben). Beispiele: Man sagt laut „Nein“ und lobt den Hund, falls er daraufhin schon sein Verhalten unterbricht. Man schiebt nach dem „Nein“ den Welpen von dem Tischbein weg, das er gerade anknabbert. Oder man sagt „Nein „ und schiebt den Hund, der einen anspringen will, herunter, bis wieder alle vier Pfoten ab Boden sind. Wichtig ist: Nein heißt dann auch Nein. Das Verhalten wird konsequent abgebrochen. So merkt der Hund nach und nach, dass auf ein „Nein“ erwünscht ist, dass der das gerade gezeigte Verhalten beendet.

Grundkommando 4: Setzen („Sitz“)

  • Das Kommando „Sitz“ kennt fast jeder Hund. Im Alltag kann es man es in sehr vielen Situationen nutzen. Es eignet sich ideal, wenn der Hund warten soll. Das kann beim Anziehen der Leine sein, wenn der Hund vor dem Überqueren einer Straße warten soll oder als Alternativverhalten, wenn ein Hund vorbeiläuft.
  • So übt man Sitz: Manch ein Hund setzt sich, wenn er vor einem steht und man einfach nur abwartet. Wenn nicht, kann man dem Hund ein Leckerli zeigen und es nach oben über den Kopf das Hundes führen. Sobald der Hundepopo den Boden berührt sagt man „Sitz“, zeigt dabei mit dem Zeigefinger nach oben und gibt die Belohnung. Die Belohnung sollte auf jeden Fall kommen, solange der Hund im Sitz ist, nicht wenn er wieder aufsteht. Nach einigen Wiederholungen kann man ausprobieren, ob der Hund sich bereits auf das Wort- oder Handsignal hin setzt.

Grundkommando 5: Hinlegen („Platz“)

  • Platz, also das Hinlegen, kann ebenfalls sehr hilfreich sein. Beim Essen im Restaurant, wenn Besuch da ist und immer dann, wenn der Hund lange warten soll, ist „Platz“ sinnvoll.
  • So übt man Platz: Der Hund sollte zunächst ein Sitz können. Aus dem Sitzen kann man jetzt ein Leckerli vor der Nase des Hundes nach unten führen und vom Hund weg ziehen. Hat man Glück, legt der Hund sich daraufhin schon hin und man kann dazu das passende Sicht- und Hörzeichen geben. Klappt das nicht, hilft oft ein Trick: Man setzt sich selbst auf den Boden und zieht die Beine so an, dass man den Hund mit einem Leckerli unter den Knien hindurch locken kann. Dazu muss der Hund sich flach machen. Sobald er liegt, kann man wieder das Signal Platz geben.
  • Übung für Fortgeschrittene: Viele Hunde können Sitz und Platz nicht gut auseinander halten. Darum ist es sehr sinnvoll, die Reihenfolge beim Training nicht immer gleich zu machen. Oft kommt nämlich Platz nach Sitz. Sagt man einem im Platz liegenden Hund „Sitz“, passiert hingegen oft gar nicht. Das sollte man deshalb gezielt mit trainieren.

Grundkommando 6: Auf seinen Platz gehen („Decke“ oder „Leg dich ab“)

  • Es kann sehr hilfreich sein, wenn ein Hund sich auf seinen Platz schicken lässt. Das kann man nutzen, wenn der Hund Besuch nicht begrüßen soll, beim Essen nicht betteln soll oder wenn man den Hund aus irgendwelchen Gründen einfach kurz aus dem Weg haben will. Wenn „Platz“ schon hinlegen bedeutet, sollte man als Signal besser nicht „Geh auf deinen Platz“ nehmen, da es zu ähnlich klingt. Viele Hundebesitzer nutzen „Decke“/“Geh auf deine Decke“, „Korb“, „Körbchen“ oder „Leg dich ab“.
  • So übt man das Kommando: Der Hundeplatz soll ein Ort sein, wo der Hund sich wohl fühlt. Darum sollte man dieses Kommando nie als Strafe nutzen. Zudem sollte man es kleinschrittig und mit vielen Belohnungen üben. Anfangs kann man den Hund mit einem Leckerli auf seine Decke führen und dort belohnen. Nach und nach steigert man die Dauer und baut letztlich die Belohnung ab, bis der Hund entspannt für einige Zeit auf der Decke bleibt, wenn man ihn dorthin schickt.

Grundkommando 7: Position beibehalten („Bleib“)

  • Es gibt manche Hundebesitzer, die dem Hund von Anfang an beibringen, dass die Kommandos Sitz und Platz erst zu Ende sind, wenn ein Auflösekommando (zum Beispiel „OK“) gegeben wird. Eine andere Variante ist es, ein „Bleib“ hinzuzufügen, wenn der Hund für längere Zeit in einer bestimmten Position bleiben soll. Auch wenn Hunde vorbeilaufen oder andere Ablenkungen da sind, kann das „Bleib“ bewirken, dass der Hund weiter brav sitzen bleibt. Zugleich trainiert man mit dem Bleib die Impulskontrolle und die Frustrationstoleranz.
  • So übt man das Bleiben: Als erste Übung kann man, wenn der Hund sitzt, „Bleib“ sagen. Dann geht man einen kleinen Schritt zurück, sofort wieder nach vorne und belohnt. Dann steigert man die Dauer und die Entfernung ganz langsam. Ziel ist es, dass der Hund im Sitz oder Platz auch dann bleibt, wenn man ein Stück weggeht, dem Hund den Rücken zudreht, wenn ein Ball fliegt oder wenn Ablenkungen da sind. Übt man sehr gewissenhaft, bleibt der Hund auch dann liegen oder sitzen, wenn man außer Sicht ist oder (wenn man nicht gerade einen passionierten Jagdhund hat) sogar, wenn Wild vorbeirennt.

Grundkommando 8: Dicht beim Hundehalter laufen („Bei Fuß“)

  • Jeder Hund sollte auf Kommando mit lockerer Leine dicht beim Halter laufen können. Für die ganz normale Leinenführigkeit darf der Hund ansonsten gerne die volle Leinenlänge nutzen, solange er dabei nicht zieht. „Bei Fuß“ zu gehen (gerne kann man hier natürlich auch ein anderes Wort wählen) ist anstrengend und man sollte es deshalb nur dann verlangen, wenn es nötig ist. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn Menschen oder Hund entgegenkommen.
  • So übt man Bei Fuß: Für Welpen und ungeübte Hunde, ist schon das normale Laufen an der Leine sehr schwer. Das sollte zuerst gut funktionieren, bevor man mit dem „Bei Fuß“ anfängt. Anfangs kann man den Hund mit einem Leckerli oder körpersprachlich in die richtige Position locken und dann „Bei Fuß“ sagen. Alternativ kann man auch die Leine verkürzen und warten, bis der Hund mit lockerer Leine dicht neben dem Halter läuft. Die Belohnung oder das Lob folgen anfangs schon nach einem oder zwei Schritten, dann nach mehreren Schritten und (viel) später dann, wenn der Hund längere Zeit Bei Fuß geht.

Hundeschule, Hundeverein, Trainer & Co

  • Manchmal benötigt man bei der Erziehung des Hundes Feedback oder Unterstützung. Wenn man gerne an einem Training teilnehmen möchte, sind die Angebote sehr vielfältig. Viele Hundebesitzer stehen dann vor der Frage, ob eine Hundeschule oder ein Hundeverein sinnvoller ist. Im Folgenden werden die wichtigsten Unterschiede aufgezeigt.

Was macht ein Hundeverein oder Hundesportverein?

  • Im Hundeverein geht es in erste Linie um den Hundesport. Es werden zahlreiche Hundesportarten wie Agility, Obedience, Turnierhundesport usw. angeboten. Das Training findet meist ausschließlich auf dem Hundeplatz statt. Für die meisten Hundesportarten ist eine bestandene Begleithundeprüfung Voraussetzung, für die im Hundeverein trainiert werden kann. Allerdings sollte man hier individuell nachfragen, da viele Vereine zusätzlich auch Trainingskurse für Familienhunde anbieten, auch wenn man keine weitergehenden Sport-Ambitionen hat.
  • Hundevereine leben, wie jeder Verein, von ihren Mitgliedern. Die Trainer arbeiten ehrenamtlich. Das Vereinsleben steht im Vordergrund und es wird gern gesehen, dass man sich auch außerhalb des eigenen Trainings hier einbringt. Im Hundeverein bleiben die Mitglieder oft viele Jahre lang und nehmen zum Beispiel erst an Welpenkursen, dann an Junghundgruppen Teil, schließen die Begleithundeprüfung ab und treiben auch später dort weiter Hundesport. Nicht selten leiten langjährige Mitglieder später als ehrenamtliche Trainer eigene Gruppen im Hundeverein.

Was ist die Begleithundeprüfung?

  • Die Begleithundeprüfung (kurz: BH) wird von Neuhundebesitzern manchmal falsch eingeschätzt. Das liegt vermutlich am Namen der „Begleithunde“-Prüfung. Allerdings geht es hier nicht darum, einen Begleithund alltagstauglich auszubilden. Es handelt sich um eine Prüfung, die man benötigt, um Hundesport zu machen. Was man sich dort erarbeitet, kann man nur zum Teil im Alltag nutzen. Beispiel: Für das „Fuß“ in der BH-Prüfung soll der Hund sehr dicht am Halter in einer bestimmten Position laufen und dabei dem Halter ins Gesicht sehen. Im Alltag ist ein so strikte „Fuß“ überhaupt nicht nötig, manchmal sogar hinderlich. Viele Hundehalter bauen parallel ein „normales“ Fußgehen mit einem anderen Befehl (zum Beispiel „bei mir“) auf: Dabei darf der Hund dann gerne auch mit etwas Abstand zum Bein, ohne Hochschauen, einfach nur dicht beim Halter mit lockerer Leine laufen. Wem das klar ist, der kann aber von der BH-Prüfung stark profitieren, selbst wenn er keinen Hundesport plant. Denn gemeinsames Lernen und Erarbeiten von Aufgaben schweißt Hund und Halter auch sehr zusammen.

Was ist eine Hundeschule?

  • Gewerbliche Hundeschulen oder Hundetrainer kümmern sich weniger um Hundesport, sondern vor allem um das Alltagstraining. Dazu gehören spezielle Kurse (Training von Abruf, Anti-Giftköder-Training, Leinenführigkeit, Anti-Jagd-Training oder das Üben von Hundebegegnungen). Das Training kann auf einem Hundeschul-Gelände stattfinden, aber auch dort, wo spezielle Dinge am besten geübt werden können (im Wald, in der Stadt). Einzelstunden sind bei Bedarf möglich, die auch beim Halter Zuhause stattfinden können. Auch Workshops für verschiedene Beschäftigungsmöglichkeiten für Hunde werden von den meisten Hundeschulen angeboten. Während im Verein die Hundesportarten nach speziellen Vorgaben und auch für Turniere trainiert werden, geht es in der Hundeschule in der Regel rein um den Spaß. Angeboten werden zum Beispiel Kurse wie Longieren für Hunde, Apportieren, Suchspiele oder „Spaß-Agility“. Hier bucht man normalerweise einzelne Kurse, Seminare oder Workshops, während man in den Hundevereinen einen jährlichen Mitgliedsbeitrag zahlt.
  • Hundeschulen besucht man meist nur für einen oder mehrere Kurse, während man im Verein festes Mitglied wird. Oft gehen Hundehalter mit ihrem Hund auf Grund eines speziellen Problems oder für das Training bestimmter, einzelner Punkte in eine gewerbliche Hundeschule.

Fazit: Verein oder Hundeschule?

  • Ein Hundeverein eignet sich für alle, die gerne Hundesport machen, sich in einem Verein engagieren und regelmäßig zu festen Trainingszeiten mit anderen Hundehaltern gemeinsam trainieren möchten. Ein gewerblicher Trainer (Hundeschule) ist ideal, wenn spezifisches Verhalten oder bestimmte Probleme gezielt angegangen werden sollen. Außerdem sind hier flexible, individuell vereinbare Termine möglich.
  • Allerdings gilt generell, dass jeder Hundesportverein, jeder Trainer und jede Hundeschule nur so gut ist, wie die dort beschäftigten Menschen. Am besten schaut man vorab schon einmal ohne Hund vorbei und entscheidet dann, ob es menschlich und von der Trainingsweise her passt.

Quellen

  1. Skinner, B. F. (1938). The behavior of organisms: An experimental analysis. New York: Appleton-Century.

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